Abend am See

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30. Oktober 2007

Es gibt so viele dumme Menschen auf der Welt...

 Mein Auto ist schrott. Ein vierzigjähriger LKW-Fahrer ist mir aufgefahren. Gut, Schrott ist übertrieben, aber lustig ist es nicht.

 Der Tag war überhaupt sehr seltsam. Auf dem Weg nach Hause bin ich an einer Schule vorbeigekommen, an der ich immer vorbei fahre. Heute hat sie mich extrem an meine Schulzeit erinnert.

Saint Barbara's Institute of Girl's Secondary Education war nicht gerade das, was ich ein pädagogisches Paradies nennen würde. Meine Eltern merkten mir einen Platz vor, als sie noch lebten, denn Plätze dort waren rar. Es war eine Privatschule, die nur sehr wenig Plätze zur Verfügung stellte und sehr genau auswählte, wen sie annahm. Meine Eltern wollten, dass ich grundständig gebildet wurde, weil sie, und das betrifft besonders meinen Vater, schon sehr früh merkten, dass ich keine sonderlich gute Haus- und Ehefrau abgeben würde und möglicherweise eines Tages selbst für mich sorgen müsste.

Am Saint Barbara's gab es jedes Jahr einen Neujahres-Ball und es war üblich, dass die Schülerinnen diesen Ball organisierten und seine Durchführung mitgestalteten. Ich weigerte mich beharrlich zu singen, außer meine Musiklehrerin (eine große, hässliche und äußerst impertinente Person) zwang mich gelegentlich dazu. Also musste ich Klavier spielen. Ich erinnere mich noch genau, es wurde dunkel im Saal und alle Schülerinnen, ihre Eltern und die Lehrerinnen saßen an ihren Tischen und warteten auf meine Interpretation von Beethovens Klavier-Sonate Nr. 15 in D-Dur, als ich aufstand und ging. Ich wäre fast von der Bühne gefallen, denn für mich war es absolut ungewohnt lange Kleider zu tragen. Ich wusste nicht, warum ich nicht vor diesen Leuten spielen konnte. Damals. Vor den Schülerinnen, den jungen und den älteren, in ihren teurern, klassischen Kleidern und mit ihren zauberhaft von ihren Müttern aufgesteckten Haaren. Mein Kleid war ein altes Hochzeitskleid, dass ich auf dem Speicher des Hauses gefunden hatte, in dem ich wohnte und das ich mit Musselin-Farben eingefärbt hatte. Meine Haare waren nicht kunstvoll aufgesteckt, sondern von meiner blinden Nachbarin zu einem unordentlichen Zopf gebunden. Und es saß auch nicht meine Mutter im Publikum und wartete, dass ich spielte. Da war ich vierzehn.

Ich habe nie wieder vor Publikum gespielt, immer nur für mich allein. Ich weiß nicht, warum mir das jetzt eingefallen ist, vielleicht weil ich gestern mit jemandem über das Klavierspielen gesprochen habe und darüber, dass es eine unterbewusste Handlung ist, wenn man es gut genug beherrscht. Ich glaube, ich werde nächste Woche mein Klavier holen, momentan steht es noch woanders.

30.10.07 22:38
 


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